So ein begeistertes Publikum wie beim Auftritt von »Osibisa« hat die »zelle« selten gesehen. Wo man sich sonst eher düsteren Klängen still hingibt, gab es am Dienstag unglaublich viele klatschenden Hände zu sehen. Diese Ausgelassenheit liegt nahe: »Osibisa« – die Musiker kommen hauptsächlich aus Ghana – macht eine Musik, die ihren Ursprung in afrikanischen Rhythmen und Melodien hat und schon allein deswegen sehr »tanzbar« ist.
Zu den verzahnten Rhythmusstrukturen (erzeugt von E- und Akustik-Schlagzeug, Congas, afrikanischen Trommeln und verschiedenen Perkussionsinstrumenten) kamen dann meist einfach gehaltene Melodien auf dem Saxophon, die ihrerseits mit Trompete und kurzen Gitarrensoli verziert wurden. Der Erfolg der Band liegt aber – neben der Tatsache, daß die Musiker ausgebuffte Profis sind und ihre Instrumente wirklich virtuos beherrschen – sicher auch daran, daß nicht zu kleine Konzessionen ans westliche Ohr gemacht werden: Eventuelle Kanten sind in Richtung US-Funk-Mainstream sorgfältig geglättet und die reiche Dynamik afrikanischer Musik ist zugunsten des rockigeren Gesamtklangs stark zurückgenommen. Trotz einiger Ausrutscher (»Superfly« etwa: amerikanische Billigst-Berieselungsmusik) ein gutes und gelungenes Konzert!
Martin Gerner (mpg)
Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 04.06.1988.