Eigenständigen Jazzrock bot am Samstagabend die Gruppe „Transfusion“ in der „Mitte“. Der Name zog dann auch viele Leute an, was vielleicht auch daran liegt, daß die Band einen 3. Platz beim Nachwuchsfestival des SDR belegte. Was natürlich nicht die schlechteste Werbung ist.

Das Publikum kam voll auf seine Kosten. Matz Claus (Tasteninstrumente), Rudi Körner (Gitarre), Matthias Buck (Violine), Helmut Kipp (Schlagzeug) und Rainer Frank am Bass spielten mehr als zwei Stunden druckvolle Fusion-Music, die sich zwar am amerikanischen Vorbild orientierte, aber dennoch einen großen Wiedererkennungswert besaß. Das Stück „Just some Changes“, das auch auf der ersten Langspielplatte „Cat Call“ zu finden ist, bewies die Vielseitigkeit und technische Reife der Fünf aus dem Stuttgarter Raum gleich zu Anfang an. Auf der Grundlage eines rockigen Beats aufbauend, sorgte Helmut Kipp mit vertrackten Rhythmuswechseln zusammen mit Rainer Frank für ein solides Fundament. Über diesen Percussionsmustern erspielte sich der Rest der Band eine Vielzahl von differenzierten Klängen. Matz Claus, der eigentliche „Kopf“ der Gruppe bewegte auf dem Synthesizer und am E-Piano perlende Melodien, die meistens sofort ins Ohr gingen. Angenehm vermerkte das Publikum auch, daß Matthias Buck seine Violine ohne irgendwelche besonderen elektronischen Spielereien virtuos zum Klingen brachte.
Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Jazzrockformationen vermerkt man bei Transfusion erfreut, daß Spieltechnik und Schnelligkeit nie Selbstzweck sind; die Musiker benutzen beides lediglich nur für ihre intelligenten und interessanten Stücke. Niemals aber kommt die Spielfreude zu kurz. Das merkte man auch: Sowohl den Musikern als auch dem Publikum machte dieser Abend viel Spaß.
Martin Gerner
Original-Schreibmaschinenmanuskript vom 27.04.1985.