Das Kulturarchiv von Martin Paul Gerner

Donnerstag, 27. Juni 1985

Giampero Luccini: Musikalische Phantasie in der „Mitte“

Der Bologneser Giampero Luccini kam mit großem Gepäck in die Reutlinger „Mitte“: 17 verschiedene Instrumente führte er vor, darunter die kompletten Saxophon- und Flötenfamilien. Wie er das Publikum der „Freitagsbühne“ unterhielt, das war schon das Eintrittsgeld wert!

Ausschnitt aus dem Schreibmaschinenmanuskript: Giampero Luccini: Musikalische Phantasie in der „Mitte“
Ausschnitt aus dem Originalmanuskript · Martin Gerner

Der Multiinstrumentalist spielte Musik aus Italien, viel Klassik und eigene Arrangements. Er zeigte auf allen Instrumenten eine Artistik, wie man sie in Reutlingen nur selten hört. Sein „Orchester“ kam vom Tonband, auf das er zu Hause die Begleitung mit Synthesizer und Gitarre aufgenommen hatte. Mühelos schien er selbst so schwierige Instrumente wie das Sopranino-Saxophon oder die Piccolo-Flöte zu beherrschen. Auch entlockte er den Panflöte, deren Geschichte er witzig und unterhaltsam erzählte, rasend schnelle Tonfolgen. Wer einmal versucht hat, diese Instrument zu spielen, weiß, wie schwierig das ist.

Luccini, der seit zwei Jahren – von der Dame seines Herzens aus Italien entführt – in Augsburg lebt, erwies sich auch als ein glänzender Entertainer. Zu seinen Stücken und Instrumenten erzählte er jeweils eine kleine Geschichte, die er mit gut gespielter Naivität gestenreich illustrierte. Seine (verständlichen) Sprachschwierigkeiten baute er geschickt ins Programm ein; das Publikum bekam die Funktion des Sprachlehrers.

Das Konzert fand im Rahmen der „Italienischen Woche“ statt. Schade, daß nur so wenige Leute gekommen waren. Sogar eine (!) Italienerin hatte sich eingefunden. Denen, die da waren, bot Giampero Luccini einen wundervollen, fast kindlich-märchenhaften Abend. „Spielend“ widerlegte er die These, daß ernste Musik nicht mit Unterhaltung zu verbinden sei.

Martin Gerner


Original-Schreibmaschinenmanuskript vom 21.06.1985.


Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 27.06.1985.

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