Fast eine Sensation: Da gibt eine relativ unbekannte Gruppe ihr erstes Konzert in Reutlingen – der zweite Auftritt überhaupt – und schafft es, die „zelle“ bis auf den letzten Platz zu füllen. So geschehen beim Gig von „Satin Love & the brass connection“ am Freitagabend. Die Band entstand auf Initiative von Sandy Strmljan (Gesang, Keyboards, Percussion) und Edgar Manyak (Posaune) im Oktober 1985. Vor zwei Wochen hatte „Satin Love“ dann Bühnenpremiere in Tübingen.

Zum „zelle“-Gig kamen über 250 Leute um die Mischung aus Rock, Jazz und Funk der „Seidenliebe“ zu hören. Die wurde dem Publikum dann gute zwei Stunden in beinahe perfekter Form geboten. Die Melodien von „Satin Love“ – fast ausschließlich von Sandy Strmljan komponiert – sind meist einfach und sehr eingängig. Das macht das Wiedererkennen und Mitsingen umso einfacher. Die Musiker kommen aus anderen Gruppen, von der „Rockzock-Crew“ oder der Jazzband Tübingen. Sie erreichen ein für Newcomer bemerkenswert hohes spieltechnisches Niveau. Besonders die „Brass connection“ mit Michael Ribairo, Klaus Zickler und Edgar Manyak begeistert durch Präzision und schwarze Phrasierung – Eigenschaften, die Amateur-Bläsersections oft vermissen lassen.
Überhaupt scheinen sich die Musiker an amerikanischen Vorbildern zu orientieren: Gruppen wie die „Crusaders“, die „Commodores“ oder Lionel Ritchie waren nicht weit: Natürlich mag die ganze Band die neue Soul-Entdeckung Whitney Houston. Deren Professionalität erreicht Sängerin Ines Fülder zwar nicht; sie gehört dennoch zu den besten Reutlinger Bühnenstimmen. „Unsere Musik soll Spaß machen“ sagt Keyboarder Helmut Schmitz. Macht sie!
Martin Gerner
Original-Schreibmaschinenmanuskript vom 09.06.1986.