Das Kulturarchiv von Martin Paul Gerner

Donnerstag, 6. November 1986

Nicht einmal Pfiffe für Luxter

Er taucht seit einiger Zeit immer wieder auf der Szene auf: mal mit dieser Gruppe, mal mit einer anderen. Das Solo-Gastspiel des in Reutlingen lebenden Ex-New Yorkers Luxter Venmir in der »zelle« aber war alles andere als erfreulich. An dem musikalischen Fiasko vor anfangs etwa 60 Zuhörern war der schwarze Sänger allerdings nicht alleine schuldig. Sein heiserer, von richtiger Intonation unberührter Gesang war gerade noch zu ertragen, wenn man von gelegentlichen Prince-Imitationen und peinlichen Versuchen der Stimmungsmache absieht.

Nicht einmal Pfiffe für Luxter – Originalabbildung
Mißglücktes Spiel: Luxter in der »zelle« · Reutlinger General-Anzeiger, 06.11.1986

Unerträglich dagegen war seine Begleitband namens »Jets«. Auch wenn man berücksichtigt, daß der Keyboarder fehlte, auch wenn man weiß, daß die Crew sonst Tanzmusik macht: Zusammenspiel, technische Fertigkeiten und improvisatorischer Einfallsreichtum hatten nicht einmal Schülerband-Niveau. Im ersten Teil des Gigs waren Songs wie James Browns »Sex Machine« zu hören. Es tat fast schon weh, wie dieser Soul-Klassiker verhunzt wurde.

Nach der Pause war Funk angekündigt – eine freche Übertreibung. Zu hören war, neben zerschellenden Bierflaschen, erst recht die Überforderung der »Jets«, unterstützt durch die ohrenbetäubenden Rückkopplungen durch den Mann am Mischpult. Als die Besucher immer zahlreicher gingen und der Rest sich teilweise vor Lachen nicht mehr halten konnte, begann Luxter sich auch noch auszuziehen. Es ist ihm hoch anzurechnen, daß er seinen Strip nicht vollendete, waren doch die Leute der Musik und nicht eines nackten Mannes wegen in die »zelle« gekommen.

Martin Gerner


Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 06.11.1986.

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