Das Kulturarchiv von Martin Paul Gerner

Donnerstag, 16. Juni 1988

Milton Nascimento: Die »Stimme Brasiliens« im Tübinger Schloßhof

Es heißt, daß er bei seiner Geburt nicht geschrieen, sondern gesungen habe. Die »New York Times« schrieb: »Es ist unmöglich, ihn einzuordnen. Er ist ein gefühlvoller Interpret romantischer Musik; dazu kommt noch, daß die meisten seiner Lieder komplex genug sind, die Ausdrucksmöglichkeiten der besten Jazzimprovisatoren auszunützen. Mit der wachsenden Kommerzialisierung der Popmusik brauchen wir solche feinen Künstler – sei es nur, um uns daran zu erinnern, daß populäre Musik eine treibende Kraft der Veränderung sein kann, ein Hoffnungsträger der Menschheit . . .«

Der Musiker, der hier so enthusiastisch gefeiert wird, ist einer der besten Sänger/Songwriter, die es derzeit gibt: Milton Nascimento ist »the voice of Brazil«. Sämtliche Fachzeitschriften (egal, aus welcher »Stil-Ecke«!) jubeln, wenn Nascimento ein Konzert gibt oder eine neue Platte herausbringt; Musikerkollegen lassen – wie zum Beispiel Herbie Hancock – alles stehen und liegen, wenn Milton Nascimento ruft. Quincy Jones, Produzent von Weltrang, gerät ins Schwärmen: »Nascimento ist der klassische Sound Brasiliens.«

Der Sänger selbst wehrt sich gegen das Schubladen-Denken: »Für mich gibt es keine musikalischen Kategorien, seien es populäre oder klassische. Für mich gibt es nur Musik, die nur dann wertvoll ist, wenn sie von Herzen kommt. Ehrlichkeit ist das wichtigste, alles, was ehrlich von Herzen kommt, ist schön«. Seine Musik vereint alle möglichen Einflüsse, dennoch ist Nascimento unverkennbar Brasilianer. Am Samstag, 18. Juni, eröffnet Milton Nascimento die vom »Zentrum Zoo« veranstaltete »Highlights im Schloßhof«-Reihe. Aber Achtung: Das Konzert fängt nicht wie ursprünglich angekündigt, um 20, sondern erst um 21.30 Uhr an.

Martin Gerner


Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 16.06.1988.

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