Das Kulturarchiv von Martin Paul Gerner

Donnerstag, 10. November 1988

Endspurt beim »3. Jazzstadt Tübingen«-Festival

Von den sechs Jazzkonzerten, die beim mittlerweile dritten »Jazzstadt Tübingen«-Festival in diesem Herbst vom »Zentrum Zoo« veranstaltet werden, sind vier schon gelaufen. Den Abschluß macht nächste Woche der Bassist Jonas Hellborg, heute abend, Donnerstag, 10. November, kommt der Jazzvirtuose Egberto Gismonti mit seiner Gruppe nach Tübingen in die Mensa Wilhelmstraße. Gismonti (Gitarre, Klavier) wurde vor 41 Jahren in Brasilien geboren und fing im Alter von sechs Jahren mit klassischen Klavierstunden an. Nach solider 15jähriger Ausbildung erlernte er bei Nadis Boulanger in Paris Orchestration. Zurück in Brasilien, verarbeitete er so unterschiedliche Stile wie »choro«, eine Art brasilianische Funk-Musik, Django Reinhardt oder Jimi Hendrix mit klassischer Musik. Er wechselte vom Klavier zur Gitarre; seine erste Platte, »Danca Das Cabecas« mit dem Perkussionisten Nana Vasconcelos, erhielt gleich den »Großen deutschen Schallplattenpreis«. Fünf weitere Alben hat Egberto Gismonti bisher in Deutschland veröffentlicht, mit Leuten wie Jan Garbarek, Ralph Towner oder Charlie Haden zusammengespielt. Daneben gibt es noch seine brasilianische Band, die »Academia de Dancas«. Nach Tübingen kommt der eher leise und romantische Musiker mit Nivaldo Ornellas (Saxophon, Flöte), dem Cellisten Jaques Morelenbaum sowie Edu Mello Souza am Synthesizer. Das Konzert beginnt um 21 Uhr.

Martin Gerner


Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 10.11.1988.

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