Florian Dauner jazzt im Trio »Inside Looking Out«.
Daß er einen berühmten Vater hat, stört Florian Dauner wenig: »Nur manchmal nervt's, daß mich alle auf Wolfgang ansprechen. Eigentlich ist es toll, so einen Vater zu haben. Er hat mich immer gefördert, und ich hab' von Kind auf Kontakt zu tollen Leuten gehabt.«
Schützenhilfe durch einen Verweis auf seinen Jazzpiano-Daddy hat der 24jährige Schlagzeuger auch gar nicht nötig: Bei der »Feuerwerxmusik«, einer Auftragskomposition seines Vaters für den NDR, hat er schon als 16jähriger mit dem »United Jazz & Rock Ensemble« getrommelt, später am renommierten »Berklee College of Music« studiert. Er hat die Jazzband »Gossip« mitbegründet und groovt mit Dieter Ilg, Albert Mangelsdorff oder Charlie Mariano. Die engagieren niemanden, nur weil er einen bekannten Nachnamen hat.
Den größten Popularitätsschub gab's im Dezember '93, als Dauner von den »Fantastischen Vier« zum Live-Drummer ausgewählt wurde. »Der Florian hat den Job gekriegt, weil er unheimlich locker und lässig gespielt hat«, meint S.M.U.D.O., der »Mikrofonprofessor« der Stuttgarter Rapper. Florian sitzt seitdem bei allen »Fantavier«-Konzerten hinter der Schießbude. »Die basteln gerade im Studio an einer neuen Platte, dann gehen wir wieder auf Tour«, berichtet Dauner.

Mit alten Bekannten macht er seit rund zwei Jahren im Trio »Inside Looking Out« »eher traditionell orientierten Jazz«. Der geht auch bei dem Schlagzeuger, der sich privat am liebsten »HipHop und tanzbare Sachen«, reinzieht, prima mit modernsten Tanzboden-Grooves zusammen: »Du hast bei beiden spannende Rhythmen und die Möglichkeit zum Improvisieren«.
In der Tat: Beim »Inside Looking Out«-Konzert im Reutlinger »Jazzclub in der Mitte« vor knapp zwei Wochen – Florian war da wegen eines Studiojobs in seiner zweiten Heimat Berlin verhindert – zeigte sich die stilistische Bandbreite des Trios. Blues sowohl klassischer Machart wie auch in der rockigen Variante, Fusion-Angehauchtes wie blubbernd groovender Funkjazz, kammermusikalischen Klangfarben-Jazz und eigenständige Standard-Neuarrangements kriegen die Musiker locker und selbstverständlich hin.
Neben Dauner machen Bassist Markus Kössler sowie der ebenso stilsichere wie vielseitige Gitarrist Rainer Apel bei »Looking Inside Out« mit. »Wir kennen uns alle schon seit Jahren; die Idee, ein Trio zu gründen, kam uns auf einer gemeinsamen Session«, erzählt Kössler – wie Apel ein Absolvent der St. Gallener Jazzschule. Die beiden haben keine Probleme mit dem Interesse, das ihr Schlagzeuger auf sich zieht. »Mir persönlich ist das egal«, meint Apel – und freut sich wie Kössler darüber, daß »Florians Nachnamen uns bei Engagements natürlich auch nützt«.
Martin Gerner
»Inside Looking Out«: 4. März, 20 Uhr, Jazzkeller Tübingen
Erstveröffentlichung: KULTIMATIV, Ausgabe 3/1995.