Gary Lucas legt sich nicht fest. Dafür hat der Gitarrist viel zu viele Ideen.
Eigentlich kann's ja nur an seiner strikten Querköpfigkeit liegen, daß er noch nicht der Saiten-Superstar ist: US-Gitarrist Gary Lucas erntet nämlich seit seinem Erscheinen in der legendären »Magic Band« von Captain Beefheart nur allergrößtes Lob. Die altehrwürdige »New York Times« nennt ihn den »Gitarristen der 1000 Ideen«, der »Rockpool« wird gar poetisch: »Wenn Musik Geschichten ohne Worte erzählen kann, dann gibt es keinen, der beredter ist als Gary Lucas.« Und die Rockbibel »Rolling Stone« jubelte in ihrer US-Ausgabe ungewohnt überschwenglich: »Gary verweist solche ›Gitarrenvirtuosen‹ wie Al DiMeola oder Paco de Lucia auf die Hinterbank.«

Andere sind mit ein und derselben Masche viel erfolgreicher – Gary tanzt lieber höchst virtuos auf möglichst verschiedenen Hochzeiten: Die höllisch vertrackten Gitarrenlicks von der Beefhartschen »Doc At The Radar Station«-Scheibe meisterte Lucas ebenso wie er für John Osbornes Millionenseller »Relish« maßgeblich komponierte und dafür auch für einen »Grammy« nominiert wurde. Mit Säusel-Suse Sophie B. Hawkins arbeitet er genauso gerne wie mit Iggy Pop, Lou Reed, Nick Cave oder Dr. John.
Jetzt ist der Mann zur Abwechslung mal solo zu hören; mit seiner zerschrammten Stratocaster und einer mächtigen Effekt-Abteilung kommt er zum Clubkonzert auch nach Tübingen.
mpg
Gary Lucas solo: 22. Januar, 20.30 Uhr, Zentrum Zoo, Tübingen
Erstveröffentlichung: KULTIMATIV, Ausgabe 1/1998.