Vom Weltstar zum Totengräber – und wieder zurück? Peter Green will an bessere Zeiten anknüpfen.
Welthits hat er einst geschrieben, ein Superstar war er. Dann ist er fast in Vergessenheit geraten und im Drogenrausch versumpft. Und jetzt ist Peter Green, der Mann, der für »Oh Well«, »Man Of The World« und »The Green Manalishi« verantwortlich ist und mit »Black Magic Woman« Santana zu einem Dauerbrenner verhalf, wieder voll obenauf.
51 Jahre alt ist Peter Green mittlerweile – ein Stehaufmännchen des Bluesrock, der nicht totzukriegen ist. Und einer, der anscheinend die alten Qualitäten, die ihn in den 60ern zum Weltstar machten, trotz aller Höhen und (vor allem) Tiefen nicht verloren hat.
Angefangen hat Green einst als Ersatzmann für Eric Clapton bei John Mayalls Bluesbreakers, dann gründete er mit Mic Fleetwood und John McVie die »Supergroup« Fleetwood Mac. Als er aber sämtliche Einnahmen aus den Plattenverkäufen karitativen Zwecken spenden wollte, kam's zum Krach – und Green ging.
Die folgenden Jahre waren von Greens exzessivem LSD-Gebrauch geprägt: Er arbeitete als Gärtner, Totengräber und Pförtner. Und als er einen Geldboten, der ihm einen Tantiemen-Barscheck über 30 000 Pfund überbringen wollte, mit einem Luftgewehr bedrohte, war klar: Peter hat sie nicht mehr alle. Die Nervenärzte diagnostizierten Schizophrenie.
Ende der 70er nahm der sensible Gitarrero mit »In The Skies« ein Meisterwerk auf, drei Scheiben weiter kam der nächste Absturz: »Ich nehme irgendeine Sorte Tabletten, die mich ziemlich schläfrig macht«, bekannte Green zu Anfang dieses Jahrzehnts.
Seit zwei Jahren indes hat der Brite ein stabiles Comeback, wird allerorten auf Konzerten gefeiert. In Tübingen auch?
Martin Gerner
Splintergroup feat. Peter Green: 15. April, 21 Uhr, Sudhaus, Tübingen
Erstveröffentlichung: KULTIMATIV, Ausgabe 4/1998.