Barbara Dennerleins Großvater plädierte für Musikunterricht. Der Vater verpaßte ihr eine Orgel. Und der Jazz bekam einen Star.
»Richtige« Jazzfreaks streiten sich gerne und lange über die Vorzüge und Schwächen der Damen und Herren Musikusse. Nicht so im Fall von Barbara Dennerlein: Fällt ihr Name, geraten gesetzte Herren, die gerne gepflegte Oldtime-Spielarten genießen, ebenso ins Schwärmen wie junge Hüpfer, die Dennerleins Tastenakrobatik funky und damit schwer hip finden.
Und nicht nur über die Stil- und Altersgrenzen hinweg hat sich die Bayerin Jahrgang 1964 Freunde gemacht: Weil Barbara Dennerlein in ihren Konzerten bei allem Willen zur künstlerischen Selbstverwirklichung immer auch darauf achtet, nicht am Publikum vorbeizuspielen, mögen ihre Musik auch Hörer, die sonst nicht unbedingt zum harten Kern der Szene gehören.

Allzu klischeegesteuerte und ahnungslose Zeitgenossen würden angesichts der äußerlichen Zierlichkeit der Musikerin auf alle möglichen Instrumente tippen – daß Dennerlein sich schon in zartester Jugend hoffnungslos ausgerechnet in eines der sperrigsten Instrumente des Jazz verknallt hat, liegt da nicht unbedingt nahe.
»Das hat alles an Weihnachten 75 begonnen. Damals hab' ich eine kleine elektrische Orgel geschenkt bekommen«, blickt Dennerlein zurück, »mein Opa wollte unbedingt, daß ich ein Instrument lerne, und mein Vater – der war ein alter Orgel-Fan – hatte die Idee mit der Elektroorgel. Die hätte er nämlich dann selber spielen können, falls ich keine Lust mehr gehabt hätte.«
Aber Barbara hatte Lust – sogar soviel, daß sie als Teenie ihre Eltern in die Münchner Jazz-Unterwelt schleifte, um ihren Orgel-Lehrer an einer Hammond B3 zu hören. »Mich hat gleichermaßen der Sound dieses Instruments gereizt wie auch der Jazz, ich wollte selbst so ein Ding spielen.«
Und als Barbara dann selber ihr erstes Exemplar dieser einzigartig klingenden elektromechanischen Orgel-Rarität besaß, dauerte es nicht lange, bis sie zur Profi-Liga stieß: Mit 20 hatte sie schon zwei Platten unter eigenem Namen gemacht, ihr Ende 1986 zusammen mit der Peter Herbolzheimer Big Band aufgenommenes »Tribute to Charlie« (Parker) bekam den »Preis der Deutschen Schallplattenkritik«.
Ab da wurde die Jazzerin schnell bekannt – und das nicht nur national: Weltweit ist Dennerlein heute als beste Instrumentalistin auf der Hammond überhaupt angesehen; in den (wichtigen) Leser- und Kritikerhitparaden der US-Fachpresse belegen Dennerlein und ihre Platten regelmäßig Spitzenplätze.
14 Alben hat die Dame inzwischen veröffentlicht; »Hänger« sind keine darunter. Die internationale Jazzprominenz kommt gerne, wenn »Babs« ruft: Randy Brecker, Roy Hargrove, Dennis Chambers, Ray Anderson, Bob Berg, Oscar Klein, Charly Antolini und andere Spitzen-Jazzer finden den Groove der Schönen am hundert Kilo schweren Orgel-Ungetüm unwiderstehlich.
Besonders live ist der Jazz Marke Dennerlein – die mit ihrer ausgezeichneten Pedal-Technik »so nebenbei« auch noch den Bassisten ersetzt – ein Genuß. Speziell die vielen Latin-Nummern im Repertoire der Musikerin dürften auch beim Konzert innerhalb der »Jazztage Baden-Württemberg« zu Highlights werden.
Martin Gerner
Barbara Dennerlein Trio: 25. Oktober, 20 Uhr, Foyer U3, Reutlingen
Erstveröffentlichung: KULTIMATIV, Ausgabe 10/1998.