Er ist ein musikalischer Vermittler zwischen Orient und Okzident; der Oud-Spieler Rabih Abou-Khalil beherrscht gleichermaßen das Idiom arabischer Tradition flüssig, wie er sich auch im Jazz zu Hause fühlt. Mit diesem »Crossover« der sehr speziellen Art ist er sowas wie ein Star der europäischen Jazzszene geworden. Von München aus (wo er seit Jahren lebt) startet der aus Damaskus stammende Lauten-Virtuose seine meist ausverkauften Gastspielreisen.
Und immer bringt er eine feine Musiker-Bande mit. Die Besetzung der aktuellen Rabih-Abou-Khalil-Group ist ebenso hochkarätig wie die Instrumentierung ungewöhnlich. Eine gegensätzlichere Klangkombination als der feinätherische Sound von Rabihs Oud und einer erdig-vollen Tuba läßt sich nämlich zunächst gar nicht denken. Aber weil das Blasinstrument von Michel Godard gespielt wird, paßt's wieder perfekt: Der Mann traktiert das sperrige Blech-Teil so wie andere eine Blockflöte – in Godards Händen wird die Begleit-Tute zu einem höchst ausdrucksstarken Solo-Instrument.
Neben Godard kommt mit dem Cellisten Vincent Coutois ein weiterer Pariser: Der erst 30jährige Musiker hat nicht nur schon oft die grande dame des französischen Chansons, Juliette Greco, begleitet, sondern auch schon mit französischen Jazz-Cracks wie Martial Solal oder Michel Petrucciani gearbeitet.
Die Rhythmusgruppe ist Rabih-Fans bekannt: Drummer Mark Nauseef sowie der syrische Rahmentrommel-Spieler Nabil Khaiat spielen seit vielen Konzerten und Platten mit Abou-Khalil zusammen – und bringen mit ihren dicht-vertrackten Grooves kräftig arabisches Feeling in die Band.
Martin Gerner
Rabih Abou-Khalil: 15. Januar, 20 Uhr, Zentrum Zoo, Tübingen
Erstveröffentlichung: KULTIMATIV, Ausgabe 1/1999.