Am Freitag und Samstag, 16. und 17. September, findet in Bodelshausen das erste »Rock am Rammert«-Festival statt. Auf die Beine gestellt wurde die Veranstaltung von Jugendlichen des Jugendtreffs »Schneckenhäusle« in Bodelshausen in kompletter Eigenverantwortung. Am Freitag, 16. September, spielt ab ungefähr 18 Uhr als erste Band des »Rock am Rammert«-Festivals »Grachmusikoff«. Die letzte LP der Gruppe um Ex-Schwoißfuaßler Alex Köberlein zeigt am deutlichsten, worauf es der Band ankommt: Rock, Reggae, Blues- und Blasmusik in einer kunterbunten Mischung mit einem kräftigen Schuß Ironie und Parodie in den Texten.
Das »Trio Farfarello«, das nach »Grachmusikoff« auf der Bodelshausener Zelt-Bühne stehen wird, begeisterte schon mehrfach die Musikfreunde in der Region. Die Band um Geiger Mani Neumann hat ihren ganz speziellen Sound – eine Mischung aus Elementen von Folk, Jazz, Klassik und Rock – längst durchsetzen können.
Am Samstag, 17. September, gibt es neben einem Flohmarkt ab 8 Uhr eine ganze Menge Live-Musik: Den Anfang machen ab 15 Uhr die Rocker von »Grobrock«. Die seit einem Jahr bestehende Gruppe legt aber auch auf »filigrane, mit hundsgemeinen Improvisationsteilen« ausgestattete Musik wert. Danach spielt »Ägsdrehm« – eine Hard ’n’ Heavy-Band aus Bayern, die schon auf diversen Festivals ihre Live-Qualitäten bewiesen hat. Die »Land-Mädchen-Befriediger« wollen »nicht schockieren, sondern vielmehr in mitreißenden Großveranstaltungen den im Sumpf der konservativ festgefahrenen Dorfsitten schmachtenden Landmädchen ihre Ausweglosigkeit bewußt machen«. Das tut die Gruppe, über deren Musik sich das Info ausschweigt, nach dem »Ägsdrehm«-Set.
»Bluesquamperfekt«, vierte Band am Samstag, gewannen 1985 das Landesrockfestival mit »Erstklassigem Rock-Entertainment mit einer tollen Bühnenshow« – so jedenfalls das Urteil der »Stuttgarter Zeitung«. Die Gruppe kommt vom Blues und baut mit neun Musikern viele Soul- und Funkelemente mit kräftigen Bläsern in ihre Dampf-Musik ein. Dampfen wird’s am Samstag in Bodelshausen sicher auch bei der Hauptgruppe des Festivals, ist doch ihr Name Programm: »Canned Heat« – Hitze in Dosen. Seit mittlerweile 22 Jahren im Geschäft, ist spätestens seit ihrer Einleitung zum Woodstock-Film, dem Hit »Goin’ up the country«, jedem Rock-Fan ein Begriff. »Canned Heat« steht immer noch für erdigen Blues- und Boogie-Rock, ihre Musik hat die Jahrzehnte unbeschadet überlebt. Zwei der Gründungsmitglieder leider nicht: Al Wilson und Bob Hite sind tot; sie werden durch Junior Watson (Gitarre und Gesang) und James T (Gitarre, Gesang, Mundharmonika) ersetzt. Ansonsten ist bei »Canned Heat« alles beim alten geblieben: »Fito« de la Parra, Henry Vestine und Larry Taylor waren schon in den 60ern dabei und sind es auch am Samstag.
Martin Gerner
Erstveröffentlichung: Reutlinger General-Anzeiger, 15.09.1988.