Al Jones im „Jazzclub in der Mitte“
In der bis auf den letzten Platz gefüllten „Mitte“ spielte am Samstagabend die Al Jones Blues Band. Sie ist durch viele Fernsehauftritte und als Begleitband von so bekannten Musikern wie Luther Allison oder Champion Jack Dupree bekannt. Ihr Markenzeichen ist „authentischer“ Chicago-Blues.

Al Jones, der unter dem Einfluß des American Folk Blues Festivals 1967 seine erste Band gründete, erwies sich als ein Virtuose auf der Bluesgitarre. Er entlockte ihr einen Sound, der ein wenig an B.B.King oder an den frühen J.J.Kale erinnerte. Bassist Bernd Schönke gab der Band zusammen mit Schlagzeuger Oskar Pöhnl das rhythmische Rückgrat; beide spielten präzise, exakt und schnörkellos direkt. Für erdige, rauhe Saxophonsoli sorgte Michael Außerbauer auf dem Tenorsaxophon.
Die technische Qualität der Band ist zweifellos beachtlich. Aber vielleicht darf man fragen, ob es denn heute möglich ist, einen Musikstil authentisch zu interpretieren, der unter ganz anderen Voraussetzungen entstand. Man erinnere sich: die Schwarzen sangen einmal den Blues, während sie in der Sklaverei der Weißen litten. Sie ließen sich bestimmt nicht träumen, daß ihre Musik einmal zur bloßen Unterhaltung dienen muß.
Martin Gerner
Original-Schreibmaschinenmanuskript vom 23.03.1985.