Die Veranstalter der einzigen Reutlinger Rock-Bühne von Format haben wohl richtig gelegen, als sie die Anfangszeiten der Konzerte auf den „späten Abend“ – sprich 21–22 Uhr – geschoben haben. Das geschah wohl nicht zuletzt, um den schwindenden Besucherzahlen entgegenzuwirken. Beim Gastspiel von „Family 5“, der Band um den Ex-Fehlfarben-Sänger Peter Hein am Samstagabend war der Laden jedenfalls sehr gut besucht.

Der relativ hohe Eintrittspreis lohnte sich. Peter Hein zappelt immer noch so nervös wie zu NDW-Zeiten auf der Bühne herum und – welch Überraschung! – die Gitarre wurde vom altbekannten und -gedienten Xao Seffcheque bedient, der sich in der „zelle“ mit diabolischem Grinsen die Sympathien der Besucher sicherte.
Die Musik von „family 5“ verarbeitet die Klänge der „Neuen deutschen Welle“ mit R&B-Gitarrenklängen und funkig-exakten Bläsern. Die Schublade „Soul-Punk“, in die die Düsseldorfer Gruppe im zelle-Info gesteckt wurde, scheint da recht zutreffend zu sein. Kaum mal gab’s ein ruhiges Stück zu hören; immer erweckten die Songs den Eindruck hochgradiger Nervosität und Hektik. Schnell waren die Jungs nicht nur beim Spielen: Von der neulich erst erschienenen neuen LP der Rolling Stones verballhornten die sehr erfrischend den „Harlem Shuffle“!
Erfreulich war, daß das Gesamtkonzept stimmte. Die Band versuchte nicht, irgendwelchen Trendklängen nachzugeben. Fraglich ist allerdings, ob sie mit dieser Musik auf Dauer überleben kann – spielen die sieben Musiker doch nicht gerade das, was zu Zeiten weichgespülten Pop-Funk-Jazzz an breiter Front angesagt ist. Zu wünschen ist ihnen der Erfolg jedenfalls.
Martin Gerner
Original-Schreibmaschinenmanuskript vom 11.05.1986.