»Black Uhuru« und die Freiheit
Die Zeiten ändern sich: Andere »Altstars« des Reggae machen sich gerade zu neuen »Ragamuffin«-Ufern auf, »Black Uhuru« kehrt hingegen zu seinen Wurzeln zurück. Das neue Album des Trios, »Strongg«, bringt astreinen, kompromißlosen Roots-Reggae. Das läßt für ihre Tournee hoffen.

»Uhuru« ist das Suaheli-Wort für »Freiheit«. Vor allem für die Freiheit der Schwarzen ist das Stamm-Trio der Gruppe – Dukkie Simpson, Garth Dennis und Don Carlos (Fotos) – seit über zwei Jahrzehnten mit beinahe schon militanten Songtexten eingetreten. Musikalisch frei war die Band mit den zig Musikerwechseln immer schon. Wenige Jahre nach der Gründung waren »Black Uhuru« in den späten 70ern gar Trendsetter der Reggae-Szene. Und weil das Trio trotz aller Schärfe in den Texten darauf achtete, daß seine Musik auch sonstigen Pophörern gefallen konnte, klingelte die Band-Kasse schon bald recht laut.

Kommerziell am erfolgreichsten war die Band in den Jahren, in denen die Amerikanerin Puma Jones als Frontfrau mitmischte. Der Einstieg der »Riddim Twins«, Sly Dunbar und Robbie Shakespeare, damals wie heute die absoluten Session-Profis, blieb nicht ohne Folgen: Die Platte »Anthem« gewann 1984 einen Grammy – und leitet mit der seltsamen Kreuzung aus Reggae-Elementen und technifiziertem Pop eine neue Ära in der jamaikanischen Musik ein. Und heute leisten sich die drei den Luxus, mit ihrer leichtfüßig daherkommenden Mischung aus alten jamaikanischen Rythmen und Pop der Gegenwart, ganz genau gegen den Strom ihrer Kollegen zu schwimmen. »Things have to change«, meinte Garth Dennis lakonisch. Ihr Konzert wird sicher zur dampfenden Fete.

mpg
Black Uhuru: 14. September, 20 Uhr, Zentrum Zoo Tübingen
Erstveröffentlichung: KULTIMATIV, Ausgabe 9/1994.