Pablo Moses: Zwischen Reggae und Rock
Pablo Moses macht's Schubladen-Denkern nicht leicht: Einerseits ist der jamaikanische Reggae-Künstler ein waschechter »Roots«-Sänger, andererseits hat er schon mit seiner ersten Platte »Revolutionary Dream« von 1975 klargemacht, daß er nicht ausschließlich auf Altbewährtes setzt.
Moses, der eigentlich Pablito Henry heißt, war einer der ersten, die ihre Songs mit Synthesizern und zeitgemäßen Effekten instrumentierten. Vom Debüt über den Nachfolger »Pave The Way«, dem von der Kritik wie den Fans gleichermaßen hochgelobten 83er-Album »The Future« und zwei weiteren Veröffentlichungen bis hin zu seiner aktuellen Scheibe »We Refuse« – immer war Pablo Moses gleichzeitig der Roots-Reggae-Tradition und den westlichen Rock-Sounds und Pop-Trends verpflichtet.

Das heißt aber nicht, daß er bei seinem Auftritt bei der Tübinger »Peter Tosh Memorial Night« wie beispielsweise Shabba Ranks große Sprüche zu »Raggamuffin«-Schlagzeuggeratter klopfen wird: Der mehrfache Vater, Hobby-Sportler und Vegetarier ist ein viel zu gläubiger Rasta, um sich auf derlei Oberflächlichkeiten einzulassen.
Die Zerstörung der Umwelt, Rassismus, Ausbeutung und soziale Ungerechtigkeit sind seit fast 20 Jahren seine Themen, die er mit weicher, für Reggae-Verhältnisse sehr variabler Stimme in die Welt hinausträgt. Lediglich direkter ist Moses 1994 in seiner Verweigerung der Ellbogengesellschaft geworden.
Moses kommt mit der »Toasting«-Legende »Daddy« U-Roy, dem Vater des rhythmischen Sprechgesangs nach Tübingen.
Martin Gerner
Pablo Moses: 10. September, 20 Uhr, Mensa Wilhelmstraße Tübingen
Erstveröffentlichung: KULTIMATIV, Ausgabe 9/1994.