Peter Grohmann nimmt sich die zwölf Gebote vor.
»Das ist die Arroganz der Macht, die fett aus allen Nähten kracht«. So reimte Peter Grohmann, der ebenso scharfzüngige wie witzige Satiriker, vor zwei Jahren in seinem Erfolgsprogramm »Vom Stasi zum Aldi, Zwei«. Das Dresdner Leben »zwischen fünf Ex-Stuttgartern« kann so hart, wie er es ironisierend damals hat scheinen lassen, doch nicht sein. Immerhin fand der Ex-Degerlocher und Theaterhaus-Mitbegründer inzwischen die Zeit, mit kabarettablem Ergebnis darüber nachzudenken, »was das christliche Abendland tagsüber macht«.
»Der Christ hat's schwer, darf nie ans Gewehr«, kalauert der Schwabe, der sofort nach der Wende 'rübergemacht hat, in seinem brandneuen Programm »Die 12 Gebote«. »Für uns Abendländer stellt sich, wenn's mal wieder heißt 'Du sollst nicht töten!', die naheliegende Frage: Wen nicht?«, meint Grohmann.

Das Theaterhaus, wo's jetzt die Premiere zu besuchen gilt, verspricht einen Abend »zwischen Entertainment, Lesung und Satire-Predigt«. Grohmann selbst will »die Leute irritieren, dazu ermuntern, mit Widersprüchen zu leben: Wenn die Arbeit am siebten Tag ruhen soll, dann freut sich auch der Arbeitslose. Die Bank freut sich, daß man nicht stehlen und die Bildzeitung, daß man nicht falsch Zeugnis ablegen darf wider den Nächsten. Die Politiker freuen sich, daß sie nicht lügen dürfen und die Vorstandsetagen von Daimler freuen sich, wenn sie den Rock teilen dürfen. Mein Rat: Wenn jeder seinen Bettler liebkost, kommt das billiger, als den Rock zu teilen!«.
Martin Gerner
Peter Grohmann: Die 12 Gebote, Premiere, 18. Februar, 20.15 Uhr, Theaterhaus, Stuttgart
Erstveröffentlichung: KULTIMATIV, Ausgabe 2/1997.